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Larah, meine treueste Blog – Kommentatorin, wünscht sich einen Artikel über “Digitale Nomaden”. Die radikalste Form des ortsunabhängigen Arbeitens. Ich muss gestehen, dass ich mir lange Zeit gedacht habe, dass das voll mein Ding wäre. Zwischenzeitlich bin ich jedoch der Meinung, dass ich einen Platz brauche zum Arbeiten. Ich mag es gerne in Cafés zu schreiben, dabei darf es sich jedoch nicht um anspruchsvolle Artikel handeln. Dafür brauche ich meinen Schreibtisch und mein Bücherregal. Digitale Nomaden brauchen das nicht. Sie leben einen minimalistischen Lebensstil, teilweise ohne eigene Wohnung, um die Festkosten so gering wie möglich zu halten. Sie leben in Ländern in denen die Lebenshaltungskosten gering sind und Wifi zugänglich ist. Ich denke man sollte sie nicht mit den Leuten vergleichen, die unentwegt Strandfotos posten und im Dauerurlaub zu sein scheinen. Oft wird das Geld damit verdient, anderen den Lebensstil des Digitalnomaden verständlich zu vermitteln und mit kostenpflichtigen E-Books einen Teil des Lebensunterhalts zu bestreiten.

Bekannte digitale Nomadinnen und Nomaden

Zu den bekanntesten digitalen Nomadinnen gehört Conni Biesalski. Seit 2012 ist sie in der Welt unterwegs und offensichtlich in der Lage sich zu finanzieren. Sie betreibt ein Lifestyle-Business, d.h. sie vermarktet E-books, bloggt, nutzt Affiliate – Marketing und macht Online-Kurse. Ihre Einnahmen schlüsselt sie auf ihrem Blog planetbackpack auf.

Zwei weitere Digitale Nomaden sind Marcus Meurer und Felicia Hargarten. Sie sind auch seit 2012 weltweit unterwegs, bloggen und sind die Organisatoren der DNX – Konferenz, eine “Messe” für Digitalnomaden und Onlineunternehmer.

Home is where the heart is

Nun kann man sich fragen, ob dieser Lebensstil zu einem passt. Als mein Mann vor ein paar Jahren meinte, er hätte kein Problem auch einmal ein paar Jahre im Ausland zu arbeiten, hab ich gemerkt, dass ich doch ein sehr heimatverbundener Mensch bin. Auch wenn ich manchmal die Kleinstadt hasse, raus muss und dann entweder ein paar Tage verreise oder einfach einen “Undercover Urlaubstag” in der nächstgrößeren Stadt einlege, ich könnte und wollte nicht ohne festen Wohnsitz leben. Meine Kinder vermutlich auch nicht. Für digitale Nomaden ist das Notebook das zu Hause. Sie sind über ihre Mailadresse erreichbar, per Skype können Kontakte gepflegt werden und natürlich treffen sich Gleichgesinnte in den Metropolen der Welt oder am Strand im entsprechenden Internetcafé.

Psychologische Aspekte des Nomadentums

Zu allen Zeiten gab es Nomadenvölker. Meist werden diese jedoch von den verschiedenen Gesellschaften in denen sie vorkommen, zur Sesshaftigkeit animiert. Ein Grund mag die Tendenz zur Besitzlosigkeit und damit zu wenig kaufkräftigen Abnehmern von Wirtschaftsgütern sein. Frühere Nomadenvölker zogen mit ihren Herden über Land, Eigentumsrechte sorgten für eine Verknappung des Weidelandes und damit einhergehend zum oft ausgeübten staatlichen Zwang sich niederzulassen. Digitale Nomaden haben häufig einen offiziellen Wohnsitz. Da sie mit ihrer Arbeit Einnahmen erzielen, hat auch das Finanzamt des Herkunftslandes Interesse an Ihnen.

Reisend zu arbeiten impliziert auch Unverbindlichkeit. Hier würde mich interessieren, ob bei zwischenmenschlichen Konflikten dann einfach die Zelte abgebrochen werden und weiter gereist wird oder ob die Bereitschaft sich mit anderen Menschen intensiv auseinanderzusetzen, weiterhin besteht. Oder der Aspekt der Verantwortungsübernahme im politischen Bereich. Bisher gibt es keine kosmopolitischen Gemeinderäte. Vielleicht findet Engagement für Mensch und Umwelt in Form von Campagnen – Teilnahme statt. Sicher gibt es nicht den Prototypen des Digitalnomaden, Menschen sind sehr verschieden, aber ich kann mir vorstellen, dass es manchmal leichter ist, weiter zu reisen, als sich einer handfesten zwischenmenschlichen Auseinandersetzung zu stellen oder sich mit den quälenden Abstimmungsprozessen politischer oder sonstiger Gremien zu befassen.

Die Zeit bekommt eine neue Qualität

Während vor dem häuslichen PC die Welt herangeholt werden kann, meist kognitiv und wenig sinnlich erfahrbar, werden auf Reisen alle Sinne gefordert. Vielleicht ist es der Wunsch nach dieser Erfahrungsqualität die zum Aufbruch treibt. Sich immer wieder neu orientieren, immer wieder neue Arbeitsorte suchen müssen, immer wieder Gefahren und Risiken einschätzen, all diese Aspekte sorgen für eine andere Zeitwahrnehmung: Man kommt ins Hier und Jetzt. Der Büroarbeiter, der sich mit den täglichen Routinen quält – nicht alle – erlebt sich in gestresster Langeweile. Das hat wenig vom Hier und Jetzt, eher von der Sehnsucht nach der Zukunft oder vom Versinken in der Vergangenheit. Vielleicht fasziniert deshalb so viele Menschen die Idee des digitalen Nomadentums.

Berufe und Jobs für digitale Nomaden

Nicht nur IT-Profis wie Programmierer, Softwareentwickler etc.  die quasi von jedem Ort aus ihre Arbeit machen könnten, zählen zu den digitalen Nomaden. Blogger, Grafiker, Berater, Buchhalter, Content-Ersteller, Lektoren, Online-Marketing-Berater, Fotografen… es gibt sicher noch zahlreiche Berufe die das ortsunabhängige Arbeiten ermöglichen.

Die Seite mobiltymag bietet eine gute Übersicht mit Jobportalen für Digitale Nomaden.

Direkte Erfahrung mit digitalen Nomaden?

Die habe ich bisher leider nicht. Vielleicht verirrt sich der oder die eine auf diese Seite und macht sich mit einem Kommentar bemerkbar, dann könnten wir direkt ins Gespräch kommen.

Mein Fazit: Ich bin fasziniert, könnte jedoch nicht Heim und Hof aufgeben um weltweit zu arbeiten. An wechselnden Orten zu arbeiten, kann ich genießen. Ich komme aber auch gerne immer wieder nach Hause zurück.

 

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Hier schreibt Dipl. Psych. Margit Nowotny, Coach für Fach- und Führungskräfte, über Psychologie für den Job und im Web 2.0, Psychologie-Apps, Ressourcen- und Potenzialentwicklung, Zukunftsarbeit, Führung, Resilienz und "Strategien statt Burnout". Sie finden mich auch auf Google+...

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