Gelassenheit lernen

“Gelassenheit entsteht überall dort, wo wir lernen zu “warten”, ohne etwas Bestimmtes zu erwarten.”         Wilhelm Schmid, Philosophie der Lebenskunst

Die wohl wichtigste Erfahrung unserer einwöchigen Auszeit: Die Zeit hat sich gedehnt. Gefühlt waren wir länger als eine Woche weg, d.h. eine besondere Form der Entschleunigung setzt offensichtlich dann ein, wenn man sich auf das Wesentliche besinnt. Zugegeben: Ein winziger Tisch und drei winzige Stühle mussten doch noch sein. Bücher und Zeitschriften natürlich auch. Den fehlenden Internetzugang habe ich zwei Tage lang vermisst, dann war auch das erledigt. Und dann gab es nur noch Zeit zu lesen, zu schwimmen, zu faulenzen. Fragt man mich nach meinem Resumé, so bekommt diese Form des Urlaubs das Prädikat: besonders empfehlenswert!

Die meisten Dinge relativieren sich erstaunlich schnell. Alltagsstress, der Hang zur Perfektion, Zeitdruck, Termindruck…nach nur zwei Tagen setzt ein tiefes Gefühl von Gelassenheit, gepaart mit der Gewissheit dass sich alles schon irgendwie fügen wird, ein. Und die Erkenntnis: Man kann es sich erlauben, trotz vollen Terminkalenders und all den anstehenden Aufgaben, eine Woche den Kopf frei zu machen. Vielleicht ist es manchmal notwendig sich selbst nicht für unersetzlich zu halten.

Gelassenheit zu lernen halte ich für eine Kernkompetenz für das 21. Jahrhundert. Vor nicht all zu langer Zeit hat mir ein Klient erzählt, dass er 30 Jahre lang immer nur gearbeitet hat. Dann eine größere Umstrukturierung in der Firma, ein neuer Arbeitsbereich, neue Aufgaben und ein seelischer Zusammenbruch. Das erlebte Burnout zwang zur Neuorientierung. Seine Aussage, er habe völlig vergessen, dass er keine Familie habe, hat mich zutiefst  schockiert. Das Wegbrechen der Struktur, die Arbeit Menschen normalerweise gibt, kann zu einer tiefen Lebenskrise führen. Vorbeugen sollte man einer solchen Erfahrung durch regelmäßige Auszeiten, durch Zeiten der Besinnung auf die wirklich wichtigen Dinge. Also: Packen Sie ab und zu ein Zelt und einen Kocher ein und nehmen Sie sich aus den Alltagsroutinen raus. Sie bilden dadurch nicht nur neue Synapsen im Gehirn sondern bewahren sich davor Arbeit zu wichtig zu nehmen. Es gibt da ein Zitat das Sie sich im Büro aufhängen sollten:

“Wer bereut schon auf dem Sterbebett nicht mehr Zeit im Büro verbracht zu haben?” Stephen Covey

Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare. Wenn Ihnen dieser Blog und die Artikel gefallen, dann empfehlen Sie ihn doch weiter. Ich erwarte gespannt den 10.000 Seitenaufruf, vielleicht lässt sich dieser eher kleine Aspekt, bei aller Entschleunigung mit Ihrer Hilfe beschleunigen. ; )

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