Allgemein Resilienz

Prinzip Hoffnung oder wie man schwierige Arbeitssituationen für die persönliche Entwicklung nutzt

© Jeanette Dietl – Fotolia.com

Sie haben einen Job den sie nicht lieben? Sie quälen sich jeden Morgen zur Arbeit und fragen sich wozu sie diesen Job machen? Sie haben innerlich gekündigt? Sie sind dabei sich einen neuen Job zu suchen?Unzählige Klienten befinden sich in genau dieser Situation. Sie möchten einfach etwas ganz anderes machen, möchten nochmal von vorne anfangen, nochmal einen neuen Beruf erlernen oder einfach die Stelle wechseln in der Hoffnung dass dann alles anders wird.

Ich kenne diese  Erfahrungen und Gefühle auch aus eigenem Erleben. Nicht in Bezug auf meinen Beruf. Psychologin bin ich noch immer mit großer Begeisterung. Ich kenne sie aber aus eigenen Beschäftigungsverhältnissen. Das Leiden in Organisationen ist mir durch meine Klienten aber auch durch meine eigenen Erfahrungen bekannt. Und das finde ich persönlich wichtig. Würde ich als Coach nicht um organisationale Zwänge, um Führungsverhalten, um Teamprozesse wissen, ich könnte mich nicht im selben Maß in meine Klienten hinein versetzen.

Wahrscheinlich würde ich mich dann auch nicht damit beschäftigen was gute Führung heißt, was Ethik im Management bedeutet, welche Organisationskultur in einem Unternehmen herrscht….Und ich würde vielleicht meinen, das alles ganz einfach ist, schnelle Veränderung möglich ist, Richtungswechsel sofortige Lösungen bringen…

Dem ist aber nicht so. Menschen brauchen Zeit. Sie brauchen Zeit um Situationen zu reflektieren, sie brauchen Zeit um für sich Lösungen zu finden und sie brauchen vor allem Anleitung wie sich diese Bedingungen für das eigene Wachstum nutzen lassen. Nur wenn es gelingt in einer dysfunktionalen Arbeitssituation Sinn zu interpretieren, wenn es gelingt  die Wachstumschancen zu erkennen, lassen sich diese Erkenntnisse in anderen, vielleicht neuen Beschäftigungsverhältnissen nutzen.

Nicht jeder passt zu jedem Unternehmen. Auch dies ist ein Prozess, der sich herauskristallisieren kann. Zu glauben dass durch einen Jobwechsel immer auch die Lösung schwieriger Situationen möglich ist, halte ich für naiv. Zu oft erleben Mobbingopfer am nächsten Arbeitsplatz dieselben Dinge, fühlen sich Mitarbeiter durch Anforderungen zu schnell überfordert, weil der individuelle Aspekt unberücksichtigt bleibt.

Dies heißt nicht, dass es nur den individuellen Aspekt gibt. Unternehmen können erheblich dazu beitragen, dass auch der Stärkste in die Knie geht. Hier ist Mut und Zivilcourage gefragt, um krankmachende Arbeitsbedingungen zu benennen, Führungsfehler zu identifizieren und langsam und mit Geduld an deren Beseitigung zu arbeiten. Dazu bedarf es einer Unternehmenskultur, die nicht jede Kritik an Unternehmensabläufen tabuisiert, in der Bereitschaft herrscht, sich mit unangenehmen Themen zu beschäftigen.  Klar, das macht nicht so viel Spaß wie z.B. für ein paar Tage einen Trainer zu engagieren der dann in Tschaka-Manier „Pflaster klebt“. Soll heißen: Der nicht so genau hinschaut, keine Ahnung von Organisationsentwicklung oder von den Auswirkungen von Change Prozessen auf Mitarbeiter -nach dem Change- hat. Natürlich hätten wir alle gern schnelle Lösungen zu einem vernünftigen Preis, die Mitarbeiter mit einem guten Gefühl versorgen. Nicht nachhaltig, aber eben gut für die Reputation. Es wird schließlich was gemacht für die Leute.

Nein, ich habe keine schnellen Lösungen. Ich habe Geduld, auch mit den Wachstumsmöglichkeiten von Führungskräften, von Mitarbeitern und Organisationen. Weil es gegen jede Erfahrung wäre zu glauben große Systeme ließen  sich schnell verändern. Oder um es mit den Worten von einem meiner Lehrsupervisoren zu sagen: Organisationen kann man schon verändern, nur die Menschen darin nicht ganz so schnell.

In den letzten Wochen habe ich mich verstärkt mit Glück beschäftigt. Gelesen, gedacht, probiert. Es geht mir nicht um das zufällige, flüchtige Glück, sondern um Wohlbefinden, auch und vor allem bei der Arbeit. In den kommenden Wochen werde ich mich in meinen Blogbeiträgen verstärkt mit diesem Thema auseinandersetzen.  Ich würde Ihnen gerne erzählen, warum schwierige Chefs zu Entwicklungshelfern für die eigene Entwicklung werden können, was Führung von unten bedeutet und welche Chancen ich im gezielten Training von Resilienz in Unternehmen sehe. Natürlich freue ich mich wenn Sie als Leser mit mir in einen Dialog treten. Ich halte nichts von theoretischen Konstrukten die nicht durch das Leben selbst geprüft wurden. Deshalb freue ich mich über ihre Kommentare! Auch über Fragen zum Thema, über ihre Erlebnisse. Sie entscheiden selbst ob sie dies anonymisiert machen oder mit Klarnamen. Ich träume immer noch von einer Welt,  die geprägt ist von Respekt, Fürsorge und Wertschätzung im beruflichen Kontext. Vielleicht mein „Prinzip Hoffnung“ frei nach Ernst Bloch.

 

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  1. Hallo Frau Nowotny,
    Ihr Blog gefällt mir. Wie heißt es doch so schön? “Jeder ist seines Glückes eigener Schmied”. Das trifft sowohl auf das Privat- wie auch auf das Berufsleben zu. Wenn die Arbeitsbedingungen schlecht sind, dann muss man was daran ändern. Ob das darin besteht, dass man sich eine neue Arbeit sucht, bei der man auch keine Gewähr hat, ob es wirklich besser wird, oder darin mal auf den Tisch zu hauen, ist situativ bedingt und von jeder Persönlichkeit abhängig.
    Oft hängt viel vom Arbeitsklima und der Wertschätzung durch die Chefs/Kollegen ab. Das fängt zum Beispiel beim Titel einer Tätigkeit ab. Nehmen wir mal als Beispiel die “Sekretärin”. Die klassische Sekretärin hat früher nur Kaffee gekocht und saß im Schreibbüro, böse ausgedrückt: sie war eine Tippse. Heute hat sich das Bild und Tätigkeitsfeld einer Sekreätrin deutlich verändert. Sie sind nicht mehr die Vorzimmerdamen, die nur das machen, was man ihnen aufträgt und sonst sebst nicht mitdenken. Heute sind sie die rechte Hand der Chefs, erstellen Reden, Präsentationen, etc.. Aber immer noch werden Sie als “meine Sekretärin” betitelt, dabei ist das Tätigkeitsgebiet weit aus mehr und somit klingt diese Bezeichnung nicht sehr wertschätzend. Heute sind sie ASSISTENTINNEN, ohne die die meisten Chefs ziemlich aufgemissen wären.

    Was Glück betrifft definiere ich das Wort als “die Summe aller schönen Erinnerungen”.

    Danke, dass ich hier einen Kommentar abgeben durfte.
    Viele Grüße
    Cassia S.

    • Hallo Cassia,
      Arbeitsklima und Wertschätzung sind zwei wichtige Faktoren um bei der Arbeit gesund zu bleiben. Meiner Meinung nach kann jeder an diesen beiden Faktoren arbeiten. Mittlerweile ist der Aspekt “Wertschätzung von Vorgesetzten gegenüber ihren Mitarbeitern” gut untersucht. Eine permanente Entwertung der Arbeit von Mitarbeitern kann schwere Gratifikationskrisen auslösen.
      Und was das Thema Glück angeht, sind Sie offensichtlich schon auf einem guten Weg. Angenehme Erinnerungen öfter ins Bewusstsein zu holen, kann eine Strategie sein, das eigene Glück zu schmieden!
      Vielen Dank für Ihren Kommentar ; )
      Herzlichst Margit Nowotny

  2. Aber wenn das Arbeitsklima nicht stimmt, man aber selbst für die Missstimmung nicht verantwortlich ist, wie soll man es dann ändern? Hält man sich raus,bleibt alles wie es ist, mischt man sich ein, gerät man zwischen die Fronten…

    • Hallo Larah,
      manchmal ist es besser sich einzumischen…probieren Sie es aus! Und vielleicht kennt der eine oder andere Blogleser ähnliche Situationen und hat eine Idee für Sie?
      LG Margit Nowotny

  3. Hallo Margrit!
    Ich bin hier vor ein paar Minuten auf deinem wunderbaren Blog durch eine Recherche (link und klick Rausch) zum Thema Resilienz gelandet und las in einem anderen Beitrag von dir von deinen “Blogger-Vernetzungs-Träumen”. Kann ich sehr, sehr gut verstehen. Und da ich solche Wünsche nicht einfach nur lesen möchte, reagiere ich sofort darauf mit einer Bitte, einem Gegen-Wunsch. Skypen wir mal, um uns über das Thema Resilienz auszutauschen? Ich las über deine Erfahrungen im Krankenhaus und den Beitrag über Resilienz sowieso. Vielleicht wird aus unserem Austausch ein neuer Beitrag, der uns beide ein Stück weiterbringt. Mit herzlichem Gruß Thomas

    • Hallo Thomas,
      wunderbar! Wir scheinen tatsächlich ähnliche Schwerpunkte zu haben und ich freue mich wirklich über Austausch zum Thema. Am einfachsten nimmst Du Kontakt über das Kontaktformular auf, gerne können wir via Skype oder klassisch per Telefon ein Schwätzchen halten. Ich nehme mir heute Abend noch Zeit um Deinen Blog genauer anzuschauen. Bin gespannt und freue mich sehr!
      Herzlichst
      Margit

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