Burnout Führung

Sanfte Rebellen gegen Burnout

© Gabi Moisa – Fotolia.com

 „Neustart- Wege aus der Burnout Falle“ titelt die aktuelle Spiegel Ausgabe. Es geht darum wie Unternehmen ihre Mitarbeiter künftig vor dem Ausbrennen schützen wollen. Folgende Strategien werden in unterschiedlichen Unternehmen erprobt:

  • Die Reduktion der e-mail Flut
  • Gymnastikpause neben dem Band
  • Interventionen des Vorstands bei überzogenen Zielvorgaben
  • Smartphone-Verbot am Wochenende
  • Zwangsabbau von Überstunden
  • Führungskräfte-Seminare in denen Vorgesetzte lernen die Arbeitsflut zu priorisieren
  • Seminare zur Stressvermeidung (würde mich persönlich interessieren wie das geht)
  • Zeitmanagement
  • Sportprogramme zur Unterbrechung der Arbeit

Hinter all diesen Vorgehensweisen stecken sicher neben dem betriebswirtschaftlichen Kalkül auch ein paar gute Absichten. Es wirkt jedoch in der Summe unsystematisch, wenig strukturiert, hilflos.

Vielleicht auch deshalb weil moderne Arbeitswelten einen Spagat der besonderen Art erfordern. Zum einen gilt es in vorgegebenen Strukturen zu funktionieren, zum anderen braucht es auch die Fähigkeit der Selbstbegrenzung.

Deshalb gefällt mir der Artikel in der aktuellen brandeins: Sanfte Rebellen.

Da ist die Rede von einem Chefarzt der am Bett einer Patientin Schlaflieder singt und damit die nicht enden wollenden Schmerzen und die damit einhergehende Schlaflosigkeit in den Griff bekommt – in einem Umfeld von Hightech Medizin undenkbar und deshalb so mutig! Oder der ehemalige Abteilungsleiter von GM, John DeLorean der Ende der sechziger Jahre anfing die Firmenkultur sehr subtil aber wirksam zu beeinflussen. Es fing mit etwas modischeren Anzügen an, die in klarem Gegensatz zu den dunklen Anzügen der sonstigen Mitarbeiter standen. Es folgten hellere Teppiche , modernere Möbel und das Fernbleiben von den ritualisierten Mittagessen der GM-Manager. Dieses Verhalten stellte eine einzige Provokation dar in einem Unternehmen das mehr Wert auf Loyalität als Leistung legte.

Bei diesen Strategien handelt es sich um Formen der disruptiven Selbstdarstellung die von Debra Meyerson und Maureen Scully untersucht wurden. Sie beschreiben, dass es in jedem Unternehmen gemäßigte Radikale gibt, die ihre Umwelt von ihren durchaus unternehmensförderlichen Ideen zu überzeugen versuchen.

Der umweltbewegte Manager bringt den Kantinenbetreiber dazu dass er keine Styroporverpackungen mehr einsetzt, weil dies letztlich für die Kantine billiger ist. Eine Abteilungsleiterin verlässt ein Meeting, weil sie ständig unterbrochen wird, mit dem Hinweis sie könne ihre Arbeitszeit sinnvoller verbringen.

Gemäßigte Radikale tragen gesellschaftliche Veränderungsprozesse in Unternehmen. Im Zusammenhang mit Burnout kommt ihnen eine wichtige Rolle zu. Sie sorgen dafür auf übermäßige Belastung hinzuweisen, die Mensch-Maschinen Interaktionen auszubalancieren und wichtige Nachbesserungen anzustoßen. Ein wenig erinnern sie mich mit ihrer Funktion an Erkenntnisse der Traumaforscher: „Acts of little Resistance“, kleine Akte des Widerstandes, um die Selbstachtung zurückzugewinnen und zu erhalten.

Menschen zu stärken in Strukturen die unveränderlich scheinen konstruktiv an Lösungen zu arbeiten, auch dem mainstream entgegenlaufende Entscheidungen zu treffen, das muss wieder stärker in den Blickpunkt gerückt werden. Bedeutet dies doch auch zugleich eine Auflösung der systemimmanenten Schizophrenie der sich viele ausgeliefert sehen. Glaubt man Hans-Peter Unger, dem Chefarzt der Asklepios Klinik in Hamburg, so stoppt ein gewisser Eigensinn den Stress. Man könnte es auch mit der Wahrnehmung von Selbstwirksamkeit beschreiben, dem Gefühl wirksam zu sein, etwas verändern zu können, einem der wichtigsten gesundheitsförderlichen Gefühle überhaupt. Und dies in Unternehmen in denen durch das gemeinsame Laufen im Hamsterrad wenig Glaube an Veränderung besteht.

Gelingt es dann noch den Druck und Stress immer stärker auszubalancieren, ihn nicht mehr absolut zu setzen, sondern tatsächlich zu oszillieren zwischen, „heute ist es eben ein bisschen  mehr, morgen gehen wir es lockerer an und die Welt geht deshalb auch nicht unter“, dann wäre schon eine ganze Menge geschafft. Hier sei auf Gunter Schmidt und seinen Vortrag „Von Stress und Burnout zur optimalen Lebensbalance” verwiesen.

Ich denke über ein Seminar für sanfte Rebellen nach. Genaugenommen gilt es die zu stärken!

Zu diesem Artikel hat mich der aktuelle Spiegel (30/2011) und hier der Artikel: „Jetzt mal langsam“ sowie das neue brandeins mit dem wirklich gelungenen Titel „Auch Batman hat mal klein angefangen“ inspiriert.

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  1. Jetzt muss ich die angebotenen Ideen “nur noch” in die umsetzen um aus dem Hamsterrad heraus zu kommen. Doch das ist garantiert das schwierigste an der Angelegenheit

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