Little superhero save the world

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Das neue Jahr ist schon wieder 12 Tage alt. Nicht wie geplant habe ich pünktlich zum Jahresbeginn meinen Blogartikel geschrieben. Stattdessen habe ich im Netz gesurft, quergelesen, Bücher gekauft und gelesen und mich gewundert. Gewundert, dass sehr viele Artikel die Nichterreichbarkeit von guten Vorsätzen zum Inhalt hatten. Das Resümee war meist, dass es doch gar nichts bringe, weil wir es ja wieder nicht schaffen die guten Vorsätze umzusetzen. Manche Artikel haben dann einen Ausflug in die Hirnforschung gemacht, zur Macht der Gewohnheit, zur Trägheit des menschlichen Geistes, andere haben dazu ermutigt einfach mal gar keine guten Vorsätze zu haben…

Ich sehe das übrigens nicht so. Ich gebe mich seit vielen Jahren der Überzeugung hin, dass es sinnvoll ist, zwischen den Jahren sein Leben ein wenig zu sortieren, um  dann gespickt mit vielen guten Vorsätzen ins neue Jahr zu starten. Ich erstelle Listen, notiere mir was ich immer noch nicht gemacht habe, obwohl ich es schon seit Jahren machen möchte, denke über Selbstoptimierung nach oder darüber ob es besser ist, so zu bleiben wie man ist, suche mir Projekte die ich starten will, schließe Projekte ab, die nicht befriedigend sind und habe unglaublich viel Freude daran.

Vielleicht muss ich dazu sagen, dass ich mit nicht erreichten Zielen und mir sehr gnädig bin. Es macht nichts, wenn es nicht geklappt hat, alles vom Vorjahr umzusetzen. Ich habe ja zum Glück mit dem Beginn des neuen Jahres und mit der Tatsache, dass ich noch lebe, erneut die Chance. Befremdlich fand ich in meiner Umgebung, bei Freunden und Bekannten, dass sie mit stolz geschwellter Brust verkünden, nichts besonderes vor zu haben, im neuen Jahr. Vernünftig sind die meisten, kleine Brötchen wollen sie backen, nicht den großen Wurf. Man wisse ja schließlich, dass dies sowieso nicht klappe. Der Verdacht liegt nahe, dass hier sehr zufriedene Menschen unterwegs sind. Zufrieden mit dem bereits Erreichten, zufrieden mit dem Leben, zufrieden mit dem Job, rundum zufrieden sozusagen.

Ist aber nicht so. Zwei Sätze später kommt dann meist, dass man überlegt wie man bis zur Rente durchhält, wie man es anstellt, das bereits Erreichte zu sichern, wie man mit Sport und Yoga den Körper stählt um die Belastungen der modernen Arbeitswelt auszuhalten. Es wirkt manchmal wie ein kollektives, weitgehend freudloses Durchhalteprogramm. Der Jahresurlaub als einziges Highlight? Ich überlege dann, ob das etwas mit dem Alter zu tun hat. Und ob nur ich vielleicht wirklich so unvernünftig bin, immer noch Träume zu haben.

Bei meinen Surf – Ausflügen im Netz schaue ich gewohnheitsmäßig beim Rheingold – Institut vorbei. Die Mitarbeiter des Instituts beschäftigen sich mit qualitativer Marktforschung und mit der Wirkung unbewusster seelischer Einflussfaktoren die unser Handeln mitbestimmen. Ich entdecke dort ein Buch von Stephan Grünewald: “Die erschöpfte Gesellschaft. Warum Deutschland neu träumen muss.” 

Die erschöpfte Gesellschaft

Die erschöpfte Gesellschaft

Und ich bin erleichtert.  Also gibt es auch noch andere denen auffällt, dass die Leute keine Träume mehr haben. Ich bin noch nicht ganz durch, aber der Autor resümiert. dass wir alle zu sehr in unseren Routinen gefangen sind, im Hamsterrad des Effizienz- und Optimierungswahns stecken, und dadurch das Träumen verlernen.

Vielleicht wird dieser kleine Artikel für Sie zur Einladung, wieder einmal hemmungslos zu träumen. Völlig unvernünftig, losgelöst vom sofortigen Anspruch auf Machbarkeit und Umsetzbarkeit.

Und damit sie sich damit nicht ganz so schwer tun, schauen sie sich zur Inspiration das Video von Diana Nyad an, der ersten Frau der es gelang, ohne Haifischkäfig mit 64 Jahren, im fünften Anlauf, von Kuba nach Florida zu schwimmen. Sie erzählt in diesem kleinen Film wie man sich mental darauf vorbereitet, einen extremen Traum zu erreichen.

Vielleicht noch ein kleiner Tipp, wenn es gar nicht klappen will mit dem Träumen: Sie nehmen sich jeden (!) Tag 30 Minuten Zeit und schreiben 30 Tage lang, ohne mentale Zensur, wie ihr ideales Leben aussieht oder wie ihre ideale Arbeit sein sollte. Mir hilft diese Übung Blockaden zu lösen und mich langsam wieder dem anzunähern was ich wirklich, wirklich will.  Wenn Sie eine genaue Anleitung für diese Übung suchen, dann finden Sie diese hier.

Wie immer freue ich mich über Ihre Kommentare. Und ich freue mich, wenn Sie Ihre Erfahrungen mit Blick auf kleine und große Träume schildern. Vielleicht haben Sie auch Lust ein paar neue Themen vorzuschlagen, die Sie besonders interessieren, zu denen Sie sich einen Artikel wünschen. So könnte ich Ihnen zumindest ansatzweise bei der “Traumerfüllung” behilflich sein. In jedem Fall wünsche ich Ihnen einen verträumten Einstieg ins neue Jahr!

Foto: istock © alphaspirit, Buchcover: ©Formhelden, Hamburg

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  1. Liebe Margit,

    vielen Dank für diesen aufmerksamen und positiven Artikel.
    Bei mir ist es so, dass ich gerade einen meiner großen Träume erreicht habe, daher sonne ich mich ein wenig in dem Gefühl der Zufriedenheit und denke jeden Morgen ein “Danke” in die Welt. Allerdings habe ich lange Jahre hart dafür gearbeitet und mir das verdient.
    Weitere große Träume gehe ich eher in Ruhe an – für einige brauche ich Mitstreiter, die ich zum Teil schon gefunden habe, zum Teil noch finden muss.

    Ich gebe Dir allerdings Recht – insgesamt herrscht eine reichlich träge Stimmung vor in Deutschland (?), der Welt (?). die ein kollektives “macht Ihr mal, ich habe meine eigenen Sorgen” in Richtung Politik, Wirtschaft und anderen Machthabern sendet. Dabei sehe ich diese Zeit als eine mit unheimlich viel Möglichkeiten an – aber sicher kommen andere Menschen auch noch darauf.

    In der Regel bringt irgendwann irgendetwas das Fass zum Überlaufen und die Massen geraten in Rage. So war es jedenfalls bisher immer in der Menschheitsgeschichte.

    • Liebe Andrea,
      wunderbar! Lass Dir die Sonne ins Gesicht scheinen und genieße es! Was das kollektive “macht ihr mal, ich hab meine eigenen Sorgen” angeht, hat der Stephan Grünwald tatsächlich was zu sagen. Und wenn ich mir so ansehe, wie immer mehr Menschen in die Depression abgleiten, dann wird allein das dafür sorgen, sich wieder ein wenig mehr mit Sinn und Unsinn unseres Handelns zu beschäftigen.
      Dir wünsche ich ein traumhaftes Jahr! Ich glaube auch dass Du es verdient hast!

  2. Träumen gehört zum Leben! Ich glaube nicht, dass es Menschen gibt, die keine Träume haben und wenn doch, dann habe ich Mitleid mit ihnen. Zu wissen, was man will, wo man hin möchte und wie die Zukunft aussehen soll, ist nicht immer leicht; träumen hilft dabei.
    Ich hatte neulich das erste Mal überhaupt einen Traum (leider kann ich mich an den Inhalt nicht mehr erinnern), bei dem ich nach dem Aufwachen dachte, ich würde gern nochmals zurückkehren ins träumen. Kurios, was?

    Von Vorsätzen fürs neue Jahr halte ich nichts. Nicht, weil ich denke, dass sie eh nicht einhalte, nein, ich brauche keinen Jahresbeginn, um mir irgendwas im Leben vorzunehmen. Ich nehme es mir vor, wenn ich denke, dass ich was spezielles erreichen möchte und dann klappt es meistens auch.

    • Liebe Larah,
      ich mag eben deadlines. Neujahr ist eine deadline, die mich ermutigt aktiv zu werden. Aber es ist ja zum Glück jedem Menschen freigestellt wie er seine Träume verwirklicht.

  3. Idee für ein Blog-Thema: Denken Sie, dass es ein kommunikatives Multitasking in unserer Gesellschaft gibt?

    Nicht nur Frauen, auch Männer sind in der Lage Dinge gleichzeitig zu tun, ohne dabei Fehler zu machen. Dies ist z. B. so, wenn wir eine Zeitung lesen und dabei essen oder Autofahren und dabei Musik hören. Von klein auf wurde uns beigebracht zu essen, wir sind das gewohnt und müssen uns darauf nicht mehr konzentrieren. Haben Sie schon mal versucht zu telefonieren und dabei gleichzeitig eine E-Mail zu lesen? Oder in einem Meeting dem Vortragenden zuzuhören und dabei gleichzeitig unter dem Tisch mit dem Blackberry E-Mails mit völlig anderem Inhalt zu schreiben? Hier stockt bei mir die Fähigkeit des Multitaskings und die Kommunikation entwickelt sich zu einem komplexen Vorgang 🙂

    • Liebe Larah,
      ich glaube nicht dass es möglich ist e-mails während eines Telefonats zu beantworten. Gerne schreibe ich dazu einen Blogartikel! Danke für die Idee!
      Liebe Grüße
      Margit

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