Resilienz

Deeskalation und Frieden

Frieden

Vergangene Woche habe ich an einem Zoom-Meeting, veranstaltet von der Trigon Entwicklungsberatung, teilgenommen. Friedrich Glasl, in meiner Wahrnehmung ein Urgestein der Konfliktforschung, erläuterte in einem 2,5 stündigen Interview, seine Vorstellungen zum Beenden des Ukraine Krieges.

Nachdem ich in persönlichen Gesprächen in letzter Zeit den Eindruck hatte, dass die Folgen psychologischer Kriegsführung schon sehr wirksam zu sein scheinen, der Ruf nach Aufrüstung und Militarisierung lauter wird, möchte ich Ihnen den Aufruf von F. Glasl zugänglich machen, mit der Bitte sich ein wenig Zeit zu nehmen, um in Ruhe nachzudenken, wen Sie in Ihrem Umfeld kennen, der das direkte Gespräch mit Politikern suchen kann.

Vielleicht steht Deutschland unter Schock. Gleichzeitig weiß ich, dass sich Millionen Menschen in den 70iger und 80iger Jahren erfolgreich für Abrüstung frei nach dem Motto, „Frieden schaffen ohne Waffen“ eingesetzt haben. Wie schnell diese Haltung kippen kann, sehen wir alle im Moment. Es bräuchte aber gerade jetzt eine starke Friedensbewegung, die von der Zivilgesellschaft mitgetragen wird.

Angst als Teil psychologischer Kriegsführung

Angst zu erzeugen ist Teil psychologischer Kriegsführung. Angst schwächt und lähmt. Vielleicht ermutigt sie dieser Beitrag, die aktuelle Situation unter dem Aspekt zu sehen, dass jeder(!) durch seine Haltung, durch seine Kommunikation deeskalieren oder eskalieren kann. Schwarz-weiß zu denken ist einfach, eine differenzierte Sicht auf die Welt zu werfen, schon ein wenig anspruchsvoller.

Gerne würde ich Sie ermutigen,  den Glasl Beitrag, der inzwischen frei zugänglich auf Youtube steht, anzuschauen. Den Aufruf, der im Nachgang zu dieser Veranstaltung auf Wunsch der Teilnehmer entstand, teile ich unverändert auf dieser Seite.

Ich freue mich, wenn Sie keine Gelegenheit ungenutzt lassen, diesen zu teilen und für Frieden zu werben. Unsere Welt kann sich im 21. Jahrhundert keine Kriege mehr leisten. Wir müssen unsere Intelligenz nutzen, um andere Formen der Konfliktlösung zu entwickeln.

 

 

Aufruf an verantwortungsbewusste Menschen in Politik und Zivilgesellschaft zum Beenden des Ukraine-Kriegs von Friedrich Glasl

Als erstes muss verhindert werden, dass der Krieg durch Fehlverhalten weiter eskaliert:

1) In Zeiten erhöhter Spannungen dürfen Formen und Kanäle der direkten Kommunikation niemals verlassen werden. Bei indirekter Kommunikation wird die Eskalation durch viele Fehlerquellen, Verzerrungen, Missverständnisse und Unterstellungen vorangetrieben.

2) Zurzeit befürchten viele Regierungen eine weitere kriegerische Eskalation und reagieren mit Erhöhungen ihrer Verteidigungsetats. Derartige affektgetriebene Rüstungs-Reflexe haben jedoch keinerlei abschreckende oder de-eskalierende Wirkung. In den letzten 150 Jahren hat sich gezeigt, dass ein Wettrüsten – entgegen seinem erklärten Zweck – keine Kriege verhindert, sondern diese paradoxerweise sogar provoziert und intensiviert.

3) Wenn Regierungen keine Eskalation wünschen, sollten sie auf Militarisierungen nicht reflexhaft mit Rüstungserhöhungen reagieren. Vielmehr sind Initiativen zu de-eskalierenden Aktionen notwendig, um aus dem Teufelskreis des Rüstungs-Reflexes auszubrechen. Zu diesem Zweck stellen sie an die gegnerische Konfliktpartei keine neuen Forderungen, sondern beweisen durch ihre de-eskalierenden Vorleistungen unmissverständlich, dass sie die entstandenen Spannungen ernsthaft reduzieren wollen.

4) Regierungen demokratischer Länder sollten journalistische Freiheiten niemals einschränken, da sie andernfalls gegen faktenwidrige Berichterstattungen nicht glaubwürdig Stellung beziehen können.

5) Wenn angesehene Persönlichkeiten Deutschlands und Österreichs wichtige Aufsichtsratsfunktionen in russischen Unternehmen bekleiden, sollten sie ihre Zugänge zu Entscheidern in Russland nicht abbrechen sondern intensivieren und die bestehenden Vertrauensbeziehungen nutzen, um auf de[1]eskalierende Entscheidungen einzuwirken.

6) Menschen aus Russland sollten von kulturellen Events und wissenschaftlichen Kooperationen nicht ausgeschlossen werden. Bei kulturellen Anlässe ist die Freiheit von Kunst, Religion und Wissenschaft unbedingt zu wahren. Damit soll – entgegen der psychologischen Kriegsführung! – deutlich gezeigt werden, dass nicht die Menschen eines Volkes als Feinde betrachtet werden. Solche Veranstaltungen sind bewusst zu nutzen für Diskurse über Grundwerte und Appelle zu gewaltfreien Konfliktlösungen.

Diese Punkte zu beachten begünstigt Initiativen für Waffenstillstand und Friedensverhandlungen

7) Initiativen von Regierungen neutraler und bündnisfreier Staaten wecken Bewusstsein dafür, welche Schäden eine weitere Eskalation für die ganze Menschheit bewirkt; diese zu verhindern ist höchste Verantwortung einer jeden politischen Führung. Neutrale regen Sofortmaßnahmen an zum Beenden kriegerischer Handlungen, mit der Perspektive einer künftigen neuen Sicherheits- und Friedensordnung.

8) Seit 1990 ist es an der Zeit, mit den seinerzeitigen Partnern der KSE-, SALT-, START-Abkommen etc. und mit bedeutenden Staaten wie u.a. China, Indien, Iran, Israel etc. auf Initiative der neutralen und bündnisfreien Staaten eine zeitgemäße globale Sicherheits- und Friedensarchitektur auszuhandeln. Nur gemeinsam mit den vormals verfeindeten Mächten kann eine neue Ordnung geschaffen werden, die auf Vertrauen und Kooperation baut und dadurch nachhaltige Wirkungen gewährleistet.

9) Produktion und Einsatz von Waffensystemen zerstören immense Ressourcen und wirken sich direkt und indirekt verheerend auf das Klima aus. Sie binden viele Mittel, die zur Rettung unseres Planeten vor der Klima-Katastrophe dringend benötigt werden. Deshalb sind Abbau und Limitierung aller Waffensysteme gleichzeitig Maßnahmen zum Abwenden der Klima-Katastrophe. Auch wenn solche Versuche nicht sofort erfolgreich waren, sind erneut wieder Initiativen zu wagen!

Prof. Dr. Dr.h.c. Friedrich Glasl e.h., Österreichischer Konflikt-/Friedensforscher und Mediator Salzburg, 28. März 2022

 

Der Vortrag war kostenfrei. Friedrich Glasl bat darum, an Ärzte ohne Grenzen zu spenden:

Bitte überweisen Sie Ihre Spende mit dem Verwendungszweck „Trigon“ direkt auf folgendes Konto:

Konto-Inhaber:        Ärzte ohne Grenzen e.V.

Verwendungszweck: Trigon

IBAN:                    DE72 3702 0500 0009 7097 00

SWIFT-BIC:            BFSWDE33XXX

 

Ihre Spendenbescheinigung erhalten Sie direkt von Ärzte ohne Grenzen. Bitte geben Sie dafür Ihre Adresse im Verwendungszweck an.
Die Nennung des Verwendungszwecks sorgt für die Verwendung Ihrer Spende als Hilfe für die von diesem Krieg und Flucht betroffenen Regionen.

„Ärzte ohne Grenzen“ leistet sowohl in der Ukraine und Russland vor Ort medizinische Hilfe und organisiert überlebenswichtige Hilfsgüter für die Geflüchteten an den ukrainischen Grenzen.

 

Foto: adobe.stock ©ViennaFrame

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