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Mut zum Eigensinn oder die sinnliche Seite der Psychologie

Eigensinn

Es hat im Jahr 2019 angefangen. Ich hatte plötzlich keine Lust mehr auf das Internet, auf Social Media und in der Folge auch keine Lust mehr zu bloggen. Das haben Sie sicher gemerkt. Stattdessen habe ich meine Kontakte im „Real Life“ gepflegt, mich mit Freunden und Freundinnen getroffen, Auszeiten eingeplant, erforscht was ich wirklich gerne mache, kurz gesagt, den Mut zum Eigensinn gepflegt. Vermutlich ist das eine Folge starker beruflicher Beanspruchung in Kombination mit Reizüberflutung durch Information. Mehr und mehr gewann ich den Eindruck, dass wir alle kein Informationsproblem im Sinne von mangelndem Wissen haben, sondern viel mehr ein Umsetzungsproblem im Sinne von „anwenden dessen, was wir wissen.“

Emotional entkoppelte Zombies

Ich begann meine Umgebung, auch bei der Arbeit zu beobachten. Manchmal hatte ich das Gefühl mit emotional entkoppelten Zombies zu interagieren. Menschen, die ihre Emotionen überregulieren, vermeintlich rationale Entscheidungen treffen, bei gleichzeitig deutlich spürbaren, eher verdeckten emotionalen Prozessen.

Für mich war das vergangene Jahr wichtig, um auch meine eigene Arbeit auf den Prüfstand zu stellen. Reden allein hilft nicht, das wurde mir immer bewusster.

Nun bin ich durchaus bewandert was die unterschiedlichen psychologischen Schulen zu bieten haben. Lange Zeit boten mir die „Systemiker“ so etwas wie eine geistige Heimat. Gleichzeitig höre ich mir seit Jahren Vorträge von Gunter Schmidt an, der versucht hat, psychoanalytische, systemische und hypnotherapeutische Methoden u.a. auch für den Business-Kontext verwertbar zu machen. Das ganz nennt sich dann Hypnosystemik.

Hypnosystemik – Was zeichnet diesen Ansatz aus?

Für mich bringt er die sinnliche Komponente in die Psychologie zurück. Die brauchen wir, wenn wir die Anforderungen der kommenden Jahre bewältigen wollen. Ich will den Ansatz an dieser Stelle nicht weiter ausführen, wenn es interessiert, dem seien die Vorträge von Gunter Schmidt im Auditorium Netzwerk ans Herz gelegt.

Immer wieder geistern durchs Netz düstere Zukunftsvisionen, die uns signalisieren, dass wir schon bald durch Künstliche Intelligenz und durch die Leistungsfähigkeit moderner Maschinen ersetzbar werden. Das kann ich mir nur dann vorstellen, wenn Menschen quasi in vorauseilendem Gehorsam versuchen maschinenähnliche Kompetenzen zu entwickeln. Grenzenlos belastbar, schnell, dauermotiviert, selbstoptimiert…

Radikaler Humanismus

Was wir den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen vor allem auch in der Arbeitswelt entgegensetzen müssen und können, ist ein Bekenntnis zum radikalen Humanismus. Hier beziehe ich mich auf die von Michael Schmidt-Salomon formulierte „Humanistische -Basis-Setzung“:

“ALLE MENSCHEN (ungeachtet welcher Gruppe sie angehören – auch die kommenden Generationen werden hier mit einbezogen!) SIND GLEICHBERECHTIGT UND FREI IN IHREM STREBEN, IHRE INDIVIDUELLEN VORSTELLUNGEN VOM GUTEN LEBEN IM DIESSEITS ZU VER-WIRKLICHEN, SOFERN DADURCH NICHT DIE GLEICHBERECHTIGTEN INTERESSEN ANDERER IN MITLEIDENSCHAFT GEZOGEN WERDEN, UND ES IST DIE UNAUFKÜNDBARE AUFGABE EINES JEDEN MENSCHEN MIT ALLEN ZUR VERFÜGUNG STEHENDEN KRÄFTEN DAZU BEIZUTRAGEN, DASS MÖGLICHST WENIGEN (IM IDEALFALL: NIEMANDEM) DIE INANSPRUCHNAHME DIESES FUNDAMENTALEN RECHTS VERSAGT BLEIBT.”  Michael Schmidt-Salomon

Dieser kann jedoch nur gelebt werden, wenn wir uns als Menschen noch spüren, wenn wir fühlen, wenn wir unsere angeborene Fähigkeit zur Empathie pflegen. Und wenn wir den Mut zum Eigensinn auch in der Arbeitswelt leben.

In diesem Sinne starte ich mit neuem Elan ins kommende Jahr! Und natürlich habe ich auch ein Jahresmotto. Humor. Damit uns allen das Lachen nicht vergeht. 😊

 

 

 

Foto: adobe.stock ©fotomek

2 Kommentare Neues Kommentar hinzufügen

  1. Das Passwort fürs Leben heißt Humor.

    Menschen beobachten ist wirklich interessant, vor allem im Berufsleben. Ich könnte ein Bürobuch schreiben, das würde bestimmt ein Top-Seller werden.

    1. Guten Morgen liebe Larah,
      ich freue mich ja immer sehr, dass Du unermüdlich einen Kommentar zu meinen Artikeln schreibst. Kommentare sind für Blogger in etwas dasselbe, wie für Musiker das Klatschen des Publikums. Deshalb ein dickes Dankeschön! Und warum nicht: Schreib das Buch. Ich würde es garantiert kaufen 🙂

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